Der Mond und die Sonne. Über Liebe und Schwäche.

An einem Nachmittag im Mai, als die Sonne am Horizont stand und sich zum Schlafengehen bereit machte, dachte sie, dass sie vor dem Schlafengehen mit ihrer Bruder, dem Mond, über die Ereignisse des Vortages sprechen würde. 

Er hatte von Hyperion (dem Morgenstern) erfahren, dass es irgendwo auf der Erde einen Streit zwischen einigen Menschen gegeben hatte, und da der Konflikt groß war, hatten einige sogar ihr Leben verloren. 

Die Sonne verstand weder die Ursache des Konflikts noch die scheinbar absurden Folgen. Also ging er zum Mond, der gerade aufgewacht war und seine morgendliche Etikette ablegte. 

“Was hältst du von dieser Geschichte, die Hyperion uns neulich erzählt hat?”, fragte die Sonne den Mond.

“Ich für meinen Teil verstehe nicht wirklich, worüber diese Leute gestritten haben…”, antwortete er, aufrichtig daran interessiert, das Gespräch fortzusetzen.

“Ich glaube, es hat etwas mit Liebe zu tun. Wie Isolde und Tristan oder Romeo und Julia”, vermutete die Sonne.

“Ja … das könnte sein. Aber ich habe von Hyperion verstanden, dass es auch etwas mit menschlicher Schwäche zu tun hat.”

“Wie das?”, fragte die Sonne.

Der Mond erzählte ihr weitere Geschichten, die er vom Morgenstern gehört hatte und die offenbar die schwache Natur des Menschen offenbarten.

Er begann damit, dass er der Sonne von einer schönen jungen Frau erzählte, die zunächst von einem sogenannte Dr. Faust und später von Narziss selbst verlassen wurde, die aber trotz ihres jungen Alters die Kraft hatte, ihren eigenen Weg zu gehen, ohne den beiden Männern gegenüber nachtragend zu sein.

“Und hier scheint die Stärke des Mannes”, fügt der Mond hinzu.

Dann folgten über mehrere Tage hinweg eine Reihe von Geschichten, die das Gegenteil der ersten beleuchteten, nämlich wie ein Mann sich in Zeiten der Not als schwach erweisen kann.

Der Mond erzählte der Sonne von einem anderen jungen Mädchen, das genauso hübsch war wie das vorherige, das in der Vergangenheit unter falschen Freunden gelitten hatte. Diese Freunde hatten sie ohne ein Wort vor einer gemeinsamen Reise verlassen, weil die junge Frau eine Liebesaffäre mit einem Jungen hatte.

Das Mädchen hatte den Vorfall damals einer Freundin erzählt. Kurze Zeit später erlebte die Freundin eine ähnliche Geschichte. Anstatt für sie da zu sein, offen mit ihr zu reden oder sie zu fragen, wie es wirklich war, ließ das Mädchen seine Freundin wortlos im Stich, so wie sie es zuvor getan hatte.

“Und wie zeigt sich die Schwäche dieses Mädchens in der Geschichte?” fragte die Sonne.

Der weise Mond antwortete: “Indem sie die Lektion, die ihr das Leben in der Vergangenheit erteilt hat, nicht gelernt hat, und dann nicht den Mut und die Kraft hatte, ihrer Freundin in der Zeit der Not beizustehen.”

“Hmm… ich verstehe immer noch nicht die ganze Sache mit der Schwäche. Und vor allem, was hat das mit der Galle zu tun, von der Hyperion uns erzählt hat?”, sagte die Sonne.

“Sei geduldig, meine Liebe, denn ich werde es dir sagen. Aber bei all dem Gerede ist es schon Zeit für dich, ins Bett zu gehen, und ich werde gleich für die Menschen leuchten”, antwortete der Mond lieblich.

English translation.

The Moon and the Sun. On Love and Weakness.

One afternoon in May, the Sun was sitting on the horizon and, getting ready for bed, he thought that, before going to sleep, he would talk to his sister, the Moon, about what had happened the day before. 

He had learned from Hyperion (the Morning Star) that somewhere on Earth there had been a quarrel between some people, and the conflict being great, some had even lost their lives.

The Sun did not understand either the cause of the conflict or the apparently absurd consequences. So he went to the Moon, which had just woken up and was doing her morning etiquette. 

“What do you think of this story Hyperion told us about the other day?” asked the Sun to the Moon.

“I, for one, don’t really understand what those people were arguing about…” she replied, genuinely interested in continuing the conversation.

“I think it has something to do with love. Like Isolde and Tristan or Romeo and Juliet,” the Sun guessed.

“Yeah…it could be. But I understood from Hyperion that there would also be something about human weakness.”

“How so?” the Sun asked.

The Moon told him other stories she had heard from the Morning Star, which apparently revealed the weak nature of man.

She began by telling the Sun about a beautiful young woman, first deserted by a certain Dr. Faust, and later by Narcissus himself, but who had the strength, despite her young age, to go her own way, without resentment towards either man.

“And here you see the strength of the man,” the Moon adds.

Then followed, over several days, a series of stories that highlighted the opposite of the first, namely, how a man can prove weak in times of hardship.

The Moon told the Sun about another young girl, just as pretty as the one before, who had suffered in the past from false friends. Those friends, without a word, had abandoned her before a trip they were to make together, because of a love affair between the young woman and a boy.

At the time, the girl had painfully recounted the incident to a friend. Shortly afterwards, the friend went through a similar story.

Instead of being there for her, talking to her openly or asking her how things really were, the girl chose to abandon her friend without a word, just as she had done before.

“And how does the weakness of this girl in the story reveal itself?” asked the Sun.

The wise Moon replied, “By not learning the lesson life had taught her in the past, and then by not having the courage and strength to stand by her friend in her time of need.”

“Hmm…I still don’t get the whole weakness thing. And, more importantly, what does that have to do with the gall Hyperion told us about?” said the Sun.

“Patience, my dear, for I will tell you. But with all this chatter it is already time for you to go to bed, and I am about to shine for the people,” replied the Moon sweetly.

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